Seit mittlerweile 10 Monaten ist vieles anders. Damals, Mitte Februar sagte die Ärztin zu mir, dass ich Diabetes hätte und ab nun für immer 3 Medikamente nehmen müsste. Ich verweigerte bockig, dann las ich eine zweistellige Anzahl Bücher und schließlich fragte ich einen anderen Arzt in der Hausarztpraxis, was er mir raten würde, wenn er nicht wüsste, dass ich dick wäre. Mittlerweile war ich belesen genug, um mir einen eigenen Plan zusammen zu stellen und der Hausarzt stimmte zu, dass das, was ich mir ausgedacht hatte, vernünftig wäre. 3 Monate später waren meine Blutwerte wieder top, 6 Monate später schnallte ich den Gürtel 4 Löcher enger und stellte erstaunt fest, dass ich abgenommen hatte. 8 Monate später kaufte ich eine Jeans 3 Größen kleiner. Es war nicht mein Ziel abzunehmen, ich wollte nur gesund werden. Was ich nicht auf dem Schirm hatte war, wie sehr sich mein Leben ändern würde. Das Gewicht ist mir echt schnurz und dass mir keine Klamotten mehr passen ist eher lästig. Aber was ich gewonnen habe, ist eine gewisse Leichtigkeit in Bezug auf Anstrengungen. Ich gehe mittlerweile täglich viele Schritte, nehme die Treppe statt dem Aufzug, stehe früher auf und dann haben sich ja auch noch ganz andere Dinge geändert, die unter anderem dazu führten, dass ich nur 3 Tage die Woche in Kiel bin.
Ich erzähle oft, dass ich eigentlich nicht viel geändert habe – das stimmt aber tatsächlich nicht. Es hat sich viel geändert. Fürs Protokoll (und weil eine Freundin fragte) schreibe ich aber nun mal endlich konkret auf, was ich anders mache.
- Zum Frühstück esse ich ein selbstgemischtes Müsli mit je einem Löffel Leinsamen, Haferkleie, Haferflocken, Chia, einem halben Löffel Hanfsamen, einem Obst (meist Apfel, Beeren oder Pfirsich – je nach Jahreszeit) und 4 Eßl. Naturjoghurt. Dazu trinke ich einen Cappuccino mit Hafermilch
- Mittags esse ich wenn es geht von zu Hause mitgebrachtes Restessen das zu einem Großteil aus Gemüse und Hülsenfrüchten besteht. Sehr oft gibt es Rote-Beete-Quinoa-Salat-mit-Walnüssen oder Weiße-Bohnen-Tomaten-Salat-mit-Basilikum-Apfel-und-roter-Zwiebel. Meist gibt es dazu eine Scheibe Eiweißbrot.
- Nach dem Mittagessen gehe ich kurz spazieren und trinke unterwegs einen zweiten Cappuccino mit Hafermilch.
- Ich versuche so selten wie möglich Reis oder Nudeln zu essen. Wenn ich Einfluß darauf habe, dann esse ich entweder Reis oder Nudeln vom Vortag (waren sie ne Nacht im Kühlschrank, dann haben sie sich irgendwie chemisch verwandelt) oder ich esse Vollkornnudeln, Linsennudeln oder Quinoa. Wenn es irgendwo Nudeln gibt, versuche ich vorher einen Salat zu essen.
- Vorher einen Salat ist sowieso eine gute Idee, auch wenn es z.B. das Essen gehen teurer und das Käsebrot-zum-Abendessen aufwendiger macht. Wenn ich Dinge koche, die die Familie mag, die aber nicht so „Diabetes-freundlich“ sind, nasche ich beim Kochen Rohkost.
- Wenn ich unterwegs Hunger bekomme, widerstehe ich standhaft Bäckern etc. und esse meistens Nüsse oder überfalle einen Supermarkt, in dem ich Käse und Minigurken kaufe und dann direkt vor dem Laden aufesse
- Ich snacke nicht mehr und versuche möglichst nur 3 Mahlzeiten am Tag zu essen. Das führt dann dazu, dass ich manchmal so dollen Hunger habe, dass ich kaum noch denken kann. Siehe oben.
- Einmal in der Woche esse ich ein geiles Stück Kuchen. Immer öfter entscheide ich mich für Karotten- oder Käsekuchen. Manchmal bin ich verwundert, dass sich die meisten Kuchen mittlerweile als zu süß herausstellen.
- Ich ignorier so gut wie es geht (fast zu 98% konsequent) alle Süßigkeiten, obwohl die Familie und die Kolleg*innen im Projekt ständig welche offen rumstehen lassen oder sie sogar anbieten. Wenn ich nen Jieper habe, esse ich zwei Stück dunkle Schokolade. Da dieser Jieper mich komplett lahmlegen kann, habe ich neben Nüssen meist Schokolade dabei, damit ich nicht aus Versehen irgendwo Amok laufe. Wenn ich doch mal Süßigkeiten probiere, weil ich einfach nicht widerstehen kann, finde ich sie mittlerweile meist zu süß.
- Ich habe ein bisschen mit Xylit/Birkenzucker herumexperimentiert, mag aber den Nachgeschmack nicht. Habe auch so nen Vanillepulver, dass Sportler ins Joghurt rühren – mag ich auch nicht. Aber Wackelpudding mit Xylit war ziemlich cool, auch wenn es an sich nen fieses Zeug ist.
- Ich trinke kein Bier mehr und keine Limos. Hin und wieder finde ich es toll einen Weißwein oder einen Aperol-Spritz zu trinken, damit ich ein schickes Glas habe, in dem Eiswürfel klingeln und etwas trinke, was ausnahmsweise kein Leitungswasser ist. Meist habe ich dann einen Schwips und denke, es wäre eigentlich auch gut gewesen, das schicke Getränk in alkoholfrei zu trinken.
- Im Sommer habe ich oftmals diesen kalten Tee getrunken, den man mittlerweile im Beutel kaufen kann. (Ganz selten war ich so schlau, mal ne Kanne Hibiskustee zu kochen und sie zu kühlen – meist wusste ich nicht, dass ich Stunden später genau das haben hätten wollen. Dafür sind Instantprodukte praktisch.)
- Ich backe 1x die Woche Eiweißbrot (das Rezept habe ich noch nicht verbloggt) und esse am Wochenende je ein selbstgebackenes Eiweißbrötchen (mache immer mehr auf einmal und habe dann Vorrat im Gefrierschrank.)
- Einmal die Woche mache ich auch Humus. Es ist noch nicht so, dass ich ihn satt habe. Am liebsten esse ich ihn mit roter Paprika.
- Ich esse viel Kräuterquark und Hüttenkäse. Das sind gute Mitnahmeessen, wenn ich irgendwo bin, wo ich nicht weiß, ob es gescheites Mittagessen gibt. Dann nehme ich 3 Minigurken oder Tomaten oder geschnittene rote Paprika mit, einen Quark und 2 Scheiben Eiweißbrot. Allerdings kommt mir diese Mahlzeit langsam zu den Ohren raus.
- Wenn ich Süßes esse, um mir etwas zu gönnen, dann versuche ich das nach dem Mittagessen zu machen. Oder ich esse in paar Nüsse vorher, damit der Blutzucker nicht zu drastisch steigt.
- Und außerdem gehe ich viel zu Fuß (meist 6 Tage die Woche) und 2x pro Woche schwimmen.
Es fühlt sich so an, als würde ich nicht viel anders machen, dabei muss ich zugeben, dass die Liste schon recht lang ist. Aber es ist nicht mühsam und ich bin auch nicht päpstlicher als der Papst. Es gibt immer wieder Ausnahmen und gerade zur Zeit mit der Pendelei zwischen zwei Städten, fällt Konsequenz oftmals schwer. Aber ich stelle fest, dass sich meine Gewohnheiten geändert haben, das heißt, ein Tag, an dem ich nicht konsequent bin fühlt sich nicht an wie ein Rückfall im Sinne von „klappt ja ohnehin nicht“, sondern eben wie eine Ausnahme. Ich habe gelernt, dass man jeden Tag einfach wieder neu anfangen kann und das mache ich. Bin gespannt, wohin die Reise noch hinführt!
@meikesblog danke, sehr interessant.
Ich finde es immer wieder erstaunlich, welchen Einfluss Ernährung und Lebensstil auf die Ernährung haben. Aber noch erstaunlicher finde ich, dass unsere Ärzte immer noch bevorzugt die Symptome und nicht die Ursachen bekämpfen. Du machst das absolut super. Respekt 👍👍👍👍