Mein Mann hat mir vorgeworfen, dass ich ständig an Essen denken und über Essen sprechen würde. Darüber denke ich jetzt schon seit Tagen nach. Stimmt dieser Vorwurf? Ist das bei mir anders, als bei anderen Menschen?
Ja, ich denke oft über das Essen nach. Seitdem ich versuche gesund zu essen, muss ich meine Mahlzeiten sorgfältiger planen, denn ich kann nicht einfach nebenher einen Keks in den Mund schieben oder mir etwas beim Bäcker holen. Ich muss über die Einkaufsliste nachdenken, überlegen, wann ich wo sein werde, was allen Familienmitgliedern schmeckt und außerdem über Eiweiß, Ballaststoffe und wie lange das frische Obst und Gemüse noch haltbar ist. Auch wenn ich nur für mich plane, weil ich an dem Tag unterwegs bin, muss ich Vorarbeit leisten. Ich muss daran denken eine Flasche Wasser und Notfall-Nüsse in der Handtasche zu haben und ganz oft habe ich auch ganze Mahlzeiten (geschnippeltes Gemüse, Quark/Hüttenkäse, Reste vom Vortag oder einen extra dafür vorbereiteten Salat) dabei.
Außerdem muss ich ganz oft, mehrmals täglich Entscheidungen mein Essen treffen. Immer dann, wenn ich an Süßigkeiten, die irgendwo herumstehen, an wohlriechenden Essensverkaufsständen vorbeigehe oder irgendwo eingeladen bin (was in meinem Job sehr häufig vorkommt), muss ich mich entscheiden was und wieviel ich davon esse oder ob ich dieses Sachen, weil ich es besser weiß, ignoriere und tapfer liegen lasse. Sowohl in meinem Job als auch in meiner Familie wird sehr viel Süßes gesnackt. Zuhause liegen immer offene Kekspackungen herum (für das Bild oben habe ich mal alles, was heute offen herum lag zusammengelegt) und im Job wird permanent etwas gefeiert. Das ist echt wahnsinnig anstrengend, immerzu nein zu sagen. Gleiches gilt nach wie vor für Bahnhöfe, in denen es immer gut nach Backwaren riecht und Zugfahrten in denen gefühlt alle Menschen essen und trinken. Das sind Situationen, denen ich ja auch mehrmals pro Woche ausgeliefert bin.
Ist es also verwunderlich, dass ich oft über Essen nachdenke? Geht das anderen Menschen genauso? Ich habe über die Abnehmspritze gelesen, dass diese gegen sogenannten „Food Noise“ funktioniert und erst darüber erfahren, dass anscheinend manche Menschen oft über Essen nachdenken und andere nicht. Ich dachte, das wäre normal, dass man ab dem Moment, wo man nicht mehr Kind damit selbst verantwortlich für sein Überleben ist, dauernd über Essen nachdenkt.
Aber anscheinend gibt es Menschen, bei denen das nicht so ist. Mein Mann zum Beispiel macht das nicht. Er ist sehr zielorientiert und stellt die Erreichung eines Ziels immer vor seine persönlichen Bedürfnisse und gleichzeitig snackt er einfach zwischendurch irgendetwas, ohne dass er davon figürliche oder gesundheitliche Nachteile hat. Für ihn ist das alles leicht und kein Thema, für mich schon. Gleichzeitig legt er Wert auf regelmäßige Mahlzeiten und ein warmes Mittagessen. Ich erinnere mich, dass ich früher Mittags selten Hunger verspürt habe. Seitdem ich aber regelmäßig warm zu Mittag esse, meldet sich mein Magen pünktlich. Weil sich dieser Hunger störend anfühlt, plane ich also und sorge vor.
Wenn jetzt manche Menschen diesen Food Noise haben und andere nicht, dann ist es ja schon interessant, woher dieses „Störgeräusch“ herkommt und ob es etwas negatives, neutrales oder positives ist. Vielleicht ist es Selbstfürsorge, sich um sich, die eigenen Bedürfnisse und eine gesunde Ernährung zu kümmern, vielleicht ist es aber auch eine Denkweise, die aus der werbeinduzierten Gehirnwäsche kommt, nur eine schlechte Gewohnheit oder gar Teil eines Krankheitsbildes oder Suchtphänomens?