Eigentlich wollte ich diese freien Tage (Urlaub, aber ohne Wegfahren) dazu nutzen, um am Buch weiter zu schreiben und eine bereits zugeschnittene Sommer-Hose zu nähen. Doch obwohl ich neue Erkenntnisse darüber habe, wohin ich mit dem Inhalt des Buches eigentlich hin will und durchaus motiviert bin, an dem Projekt weiter zu machen, habe ich gerade das Gefühl, das zuerst noch andere Sachen erledigt werden müssen. Normalerweise würde ich das Prokrastination nennen, aber irgendetwas in mir sagt, dass es genau richtig ist nicht so hohe Ansprüche an mich zu stellen.
Weil in unserer Wohnung vor ein paar Tagen ein großes Möbelstück plötzlich kaputt ging (die Glasplatte eines Tisches), hatten wir den Impuls, dieses eine Zimmer endlich mal auszumisten. Das führte allerdings dazu, dass wir plötzlich – jedeR für sich – auch in ganz andere Ecken begannen, Platz zu schaffen.
Meine guilty place ist (neben dem Stofflager) der Kleiderschrank bzw. die Ecken, die ich zusätzlich zum Kleiderschrank nutze, um Kleidung abzulegen. Also habe ich damit begonnen, den Kleiderschrank auszumisten, was dazu führte, dass ich eine Jeans wieder fand, die ich seit Wochen (oder Monaten?) gesucht hatte. Schade, diese Lieblingsjeans ist nun zu groß. Hätte ich mal früher nach ihr gesucht.
Es ist wirklich beschämend, wieviele Stumpfhosen, Shirts und Socken ich besitze. Auf diese Dinge kann ich noch nicht mal den Vorwand schieben, dass es schwer ist, Selbstgenähtes wegzuwerfen. Ein bisschen kann ich meine Schwiegermutter in die Verantwortung nehmen, denn ich besitze unverhältnismäßig viele Unterhemden, BHs (davon 4 noch in Originalverpackung) und Kuschelsocken, weil sie in einem Wäschegeschäft arbeitete und ich zu allen Feiertagen mit Nachschub versorgt wurde. Aber für die anderen Sachen bin ich schon selbst verantwortlich. Doch was kann ich dafür, dass ich noch die guten Shirts von H&M in allen Farben (kurzarm und langarm) besitze, bevor die Qualität der Produkte unterirdisch wurde?
Weil das Gehen mir nun leichter fällt, fällt mir tatsächlich auch das Ausmisten leichter. Vielen Dank an die sich auf Reisen befindenden Nachbarn. Die Mülltonne ist leer und ich laufe immer wieder die 4 Stockwerke mit einer Tüte nach der anderen nach unten, um Ballast abzuwerfen. Es ist immer noch viel zu viel, aber ein Anfang ist gemacht. Leider beginnt jetzt das schöne sommerliche Wetter, bei dem man lieber draußen ist. Aber wenn ich eines in den letzten Monaten gelernt habe ist, dass Mäuseschrittchen eine schon wirklich viel voranbringen können und dass man jederzeit am nächsten Tag wieder anfangen kann, wenn man sich heute nicht an die guten Vorsätze gehalten hat. Das Buch muss sich noch ein bisschen gedulden. Ich hoffe sehr, dass ich noch mehr Klarheit finde, wenn der Ballast über Bord ist.
@meikesblog Schöner Text. 🙂
@melsdung @meikesblog danke!