Als ich gegen 10 Uhr in dem knarzendem Bett erwachte, erlebte ich eine Überraschung. Es schien nicht nur die Sonne, sondern meine Reisepartnerin saß auf dem Balkon! Wir hatten diese Ferienwohnung in der Altstadt von Syrakus wegen ihres Balkons mit Meerblick ausgewählt. Das Meer ist zwar nur ein bisschen zu sehen, aber man kann es hören. Außerdem war es heute morgen windstill auf dem Balkon und wir haben lange dort gesessen und gefrühstückt. Das war schön!
Anschließend ging es los, die Stadt zu erkunden. Wir sind nicht wirklich versessen auf Sehenswürdigkeiten und Kirchen, deswegen beschlossen wir in Richtung eines Strandes zu laufen, um wenigstens mal einen Fuß ins Mittelmeer zu halten oder vielleicht sogar mehr. Wir packten Bikinis und Handtücher ein und marschierten los. An dem Markt, an dem wir vorbei kamen, kamen wir natürlich nicht vorbei. Satt wie wir waren, konnten wir die Auslagen nur bestaunen, aber da der Markt bei uns um die Ecke ist, könnte man ja theoretisch auch einmal vor dem Frühstück dorthin gehen, um Köstlichkeiten zu kaufen. Oder wir machen dort mal eine Lunchpause, denn es gab an verschiedenen Stellen „Mix-Teller“, die sehr verführerisch aussahen und dufteten. Wir kauften nur ein paar Pistazien und spazierten weiter. An einer malerischen Ecke mit Blick auf einen kleinen Hafen und der akustischen Untermalung von kleinen Autos, die um die Ecke kurvten, machten wir eine Pause und probierten die außerordentlich guten Pistazien. Eine gute Wahl.
Anschließend liefen wir weiter und weiter bis wir einsehen mussten, dass wir an dem auf dem Satellitenbild entdeckten Strand schon vorbei gelaufen waren, weil dieser auf einem Privatgrundstück lag. Das war sehr enttäuschend und auch ermüdend. Also kehrten wir um, um in dem kleinen Park, an dem wir vorbei gelaufen waren, ein schattiges Picknick zu machen. Frau Naja hatte aus den Nudeln vom Vortrag, dem Pesto und geschnittenen Gemüse einen Nudelsalat vorbereitet. Ich kann sie nur als Reisepartnerin empfehlen. Sie hat mir sogar den Nacken eingecremt, als sie entdeckte, dass mein Shirt ungewöhnlich weit ausgeschnitten ist. Ich entwickelte das Geschäftmodell „Rent-a-Mutti“, denn wer will nicht so eine fürsorgliche Reisepartnerin. Die Geschäftsidee ist aber noch nicht weiter ausgereift. Erstmal behalte ich meine Reisepartnerin.
Da wir beide gelesen hatten, dass es auch auf der Insel, auf der die Altstadt von Syrakus nebst unserer Ferienwohnung liegt, einen kleinen Strand gibt, machten wir uns nach diesem auf die Suche. Ich weiß nicht, ob es an der ungewohnten Sonne lag oder ob uns immer noch die Reise in den Knochen hängt, aber irgendwann war ich an einem Punkt angekommen, an dem ich sagte „den nächsten Ort, an dem es einen Kaffee gibt, nehme ich – egal, wie touristisch es ist oder was der Kaffee kostet.“ und zack standen wir vor einer Art Beachclub (Sonnenstühle und laute Musik vom DJ). Der Kaffee war teuer für italienische Verhältnisse und das Mineralwasser sehr kalt, aber beides war sehr belebend. Als wir dort so saßen, beobachteten wir nicht nur einen kleinen Reiher, der versuchte kleine Fische zu fangen, sondern auch einen mutigen Mann, der an dem Ministrand, an dem wir vorbei gekommen waren, schwamm. Nachdem wir zwei weitere Personen im Wasser entdeckten, die dort sogar eine kleine Zeit herumstanden, hielt uns nichts mehr am Tisch.
Das Wasser war ziemlich kalt. Es ist schwer zu schätzen, wieviel Grad es wohl waren, aber es war kälter, als wir die Ostsee in Erinnerung hatten. Vielleicht 16 Grad? Als ich das erste Mal im Wasser war, fand ich es fürchterlich kalt an den Fingern. Es war kaum auszuhalten. Doch ich konnte es nicht lassen, ein zweites Mal reinzugehen und dann auch zu schwimmen. Es war kalt und ich hatte wegen der Steine und Scherben am Strand so komische Barfußschuhe an (die ich bisher für einen Fehlkauf hielt, sich aber genau dafür sehr gut eigneten), deswegen schwamm ich nur kurz hin und her. Aber ich bin geschwommen und es fühlte sich wunderbar an.
Während ich schwamm, war Frau Naja mit einer Frau ins Gespräch gekommen, die einen Spritz gekauft hatte und ihn nicht mochte. Bevor sie ihn weggeschüttete, bot sie ihn meiner Reisepartnerin an und so kamen wir unverhofft nach dem Entdeckung des Ministrandes auch noch zu einem Aperitivo. Fein.
Eigentlich wollten wir danach nur noch kurz zum Supermarkt, um etwas Wasser zu kaufen, aber wir machten dann doch noch den einen oder anderen Schlenker durch das Städtchen und kurz vor dem Supermarkt machte ich fast schlapp. Mittlerweile war mir sehr kalt und ich merkte, wie mir die vielen gelaufenen Schritte in allen Knochen weh taten. Aber wir brauchten dringend Wasser, also mussten wir einkaufen. Heute ging dann das Einkaufen aber glücklicherweise schneller als gestern, als wir uns mit Müdigkeit und Entscheidungsschwierigkeiten immens im Weg standen. Heute wussten wir, dass Joghurt, der wie Naturjoghurt aussieht auch gesüßt sein kann und kauften einen Magerjoghurt, der hoffentlich nicht gesüßt ist, zum verdünnen für das morgendliche Müsli. Wir gönnten uns leckere Antipasti, schicken Käse und fanden im TK-Regal eine Spargelsuppe, die eine gute Idee schien für verfrorene müde Mittelmeerschwimmerinnen. War sie auch. Abendessen dann auf dem Balkon, bis uns wieder kalt wurde. Also ab ins quietschende Bett und Reisebericht schreiben. Der Wetterbericht für die nächsten Tage ist gut. Ich freu mich drauf.
War das nicht zu viel Wanderung am ersten Tag nach der langen Reise.
Kein Wunder, dass das Wasser kalt war.
Ich bin gespannt; wie es weiter geht,
Ja, es ist gefühlt ein Wanderurlaub.