Der gestrige Tag endete mit der Überlegung, wieviel Wasser wir wohl für die Weiterreise brauchen würden. Wir wussten: wir fahren ca 21 Stunden mit dem Nachtzug und was wir auch wussten war: wir sollten unbedingt ausreichend zu Trinken dabei haben. Spoiler, das war auch gut so, denn der Nachtzug ist gut geheizt, wir werden es brauchen. Aber so weit bin ich ja noch nicht mit meinem Bericht. 

Es stellte sich heraus, dass Frau Naja meine Ermahnung „nimm Wasser mit“ sehr ernst genommen hatte. Sie trug tatsächlich 3,5 l Wasser in ihrem Rucksack. Diverse Flaschen aus unterschiedlichen Ländern. Ich hatte gar nicht gewusst, dass sie so ein Wasser-Somelier (Someliera?) ist. Sie meinte, das wären einfach die Reste, die sie noch von vorherigen Reisen zu Hause hatte, aber mir kann man ja viel erzählen. Wir haben trotzdem in Tirano (ich konnte nicht anders als an „Ti amo“ denken, sie sagte „Turino“, aber es war Tirano) noch 3 l Wasser mit Sprudel gekauft. Frau will ja nicht ständig nur dieses abgefüllte Leitungswasser trinken, egal, von welcher vorherigen Reise es ist. 

Von Chur nach Tirano fuhren wir mit der Rhätische Bahn. Ich glaube, es war nicht der Bernina-Express, aber so ähnlich. Jedenfalls war es eine tolle Strecke. Wir konnten uns an den schneebedeckten Bergen gar nicht sattsehen und für eine Reise nach Sizilien haben wir außerordentlich viele Bilder von Schnee gemacht. Diese Fahrt-Strecke war wirklich wunderbar. Das können wir nur empfehlen. 

In Tirano gab es dann den ersten italienischen Kaffee und endlich wieder Internet und Mobilfunk. Für den extra Tarif in der Schweiz waren wir zu geizig und natürlich können wir auch mal ohne Internet. Als wir dann aber endlich wieder mit der Welt verbunden waren, fanden wir es doch gut. 

Von Tirano ging es dann weiter mit dem Regionalzug nach Mailand. Rechts aus dem Fenster sah man noch lange die Berge mit den schneebedeckten Spitzen. Links war der Ausblick langweilig. Wir waren ziemlich erledigt. Reisen ist anstrengend und die vorherige Fahrt mit den vielen Aaahs und Ooohs ob der schönen Berge war es auch. Auf der Fahrt nach Mailand habe ich Musik gehört und stumpfsinnig zum Fenster herausgeschaut. Endlich Eros Ramazotti – keine Reise nach Italien ohne die Platte aus den 90ern, die ich bei meiner ersten Fahrt nach Italien zusammen mit Freundin H. hörte. Plötzlich wurde der Zug sehr voll. Um uns herum saßen lauter sehr schick gemacht, leicht bekleidete junge Mädchen. Wir froren ob der Klimaanlage im Zug sehr, doch die Mädchen schienen davon unberührt. Der Comer See ist lang – mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Wir hatten vorher schon einen See in einem Tal in der Schweiz (Poschiavo) von unglaublicher türkiser Farbe gesehen, deswegen waren wir nicht mehr so leicht zu beeindrucken. 

Wir waren sehr rechtzeitig für den Nachtzug am Bahnhof on Mailand. Das war nicht nötig, aber ich bin immer gerne früher da. Es war deswegen nicht nötig, weil die Italiener*innen ein lustiges Spiel mit uns spielten. Es gab zwar Anzeigetafeln, wann welche Züge fuhren oder fahren würden, es gab auch viel Gleise im Bahnhof und viele Züge, aber es wurde nicht verraten, welcher Zug auf welchem Gleis abfahren wird. Deswegen standen unglaublich viele Leute in der Bahnhofshalle herum mit starrem Blick auf ebendiese Anzeigetafeln. Wenn dann endlich das Gleis verraten wurde, sah man Menschen mit Rollkoffern und Taschen rennen. Ein wirklich bescheuertes System. 

15 Minuten vor Abfahrt war man dann auch geneigt, uns zu verraten auf welchem Gleis unser Nachtzug Richtung Siracusa abfahren würde. Auf dem Zug selbst gab es keine Anzeigetafeln, ob es der richtige Zug ist bzw. wohin er fährt. Sehr schön war auch die Wagenreihung. Wir hatten im Waggon Nr. 2 reserviert. Der Zug startete mit Wagen 5, dann 6, 7 und 8, dann Wagen 44… wir gingen weiter, in der Hoffnung, dass ein Wunder geschieht und ja, da war Wagen Nummer 1 und dann kam auch schon die 2. Warum es so machen, wie man es immer macht! 

Im Nachtzugabteil bekam ich erstmal Platzangst ob der Hitze und der 100 Taschen, die wir erst einmal von uns warfen, um erst aufs Klo zu gehen und dann die Schuhe auszuziehen. Als der Schaffner kam, war es mit meinem Italienisch vorbei. Ich war zu geschafft für einen klaren Gedanken. Aber egal, wir deckten den Abendbrottisch und der Schaffner kam sowieso noch ein paar mal vorbei, um uns Kekse, ein Wellnessset und Wasser (!) zu bringen. Nach dem Abendessen konnte ich dann auch wieder soweit denken, den Google-Übersetzer bedienen zu können, um ein Herunterdrehen der Heizung zu bitten. Jetzt ist es etwas kühler im Abteil, wir sind satt und müde, aber leider gibt es nicht genügend Internet, um diesen Blogpost hochzuladen. Das machen wir dann morgen, wenn wir ausgeschlafen sind und wieder ordentliches Internet haben. Falls wir ausgeschlafen sind. Frau Naja hat das eine Bett schwungvoll hochgeklappt, damit wir beim Speisen sitzen können und es ist noch nicht klar, ob der Schaffner verstanden hat, dass er es uns später noch mal runterklappt. Falls nicht muß Frau Naja ganz oben auf der dritten Ebene schlafen. Für mich wäre das ja nix.