Zwei Dinge beschäftigen mich am Morgen, in der Sonne sitzend, während die Reisebegleiterin noch schläft: 1. Warum kreisen unser Gedanken so sehr um Wasser und Proviant und 2. Wie seltsam ist es, dass unser Radius hier in Syrakus so klein ist und sich auf die touristische Altstadt beschränkt.
Ich vermute, dass die Fixierung auf Wasser und Proviant in der langen Zugfahrt begründet ist oder genauer gesagt, der mangelnden Möglichkeit, Nachschub zu besorgen. Wir wussten im Vorfeld, dass wir für den Nachtzug wirklich alles mitnehmen werden müssen und dass es erst wieder auf der Fähre die Möglichkeit gäbe, etwas einzukaufen. Das führte dazu, dass wir wirklich viel Wasser und Essen dabei hatten.
Aber auch hier auf Sizilien wird mir zum ersten Mal wieder seit Langem bewusst, in welch komfortablen Zustand wir zuhause leben, wo wir einfach Leitungswasser trinken können. Ich trinke ohnehin so gut wie nur Leitungswasser, entweder pur oder aber als Tee oder Kaffee und mache mir niemals Sorgen, dass es mal nicht zur Verfügung stehen könnte.
So richtig klar wurde mir das, als wir gestern Abend beim Zubettgehen feststellten, dass wir kein Wasser mehr haben, also dass kein Wasser mehr aus den Hähnen kam und die Toilettenspülung nicht funktionierte. Wir trinken dieses gechlorte Leitungswasser hier nicht, deswegen schleppen wir nach wie vor viel gekauftes Wasser in Flaschen durch die Gegend.
Das Verhältnis zum Essen hingegen hat sich entspannt. Die Vorräte aus Deutschland sind nun bald aufgegessen oder zumindest ist das verbleibende Drittel des selbstgebackenen Brotes nun schon weitaus leichter, um es zum nächsten Bahnhof zu tragen. Aber ich merkte gestern, dass der Gedanke an Zugfahrt gleich wieder die Frage nach Proviant aufwarf. Wir werden morgen nur ca. 5 Stunden unterwegs sein. Das ist eine Zeitspanne, in der man durchaus auch mal nichts essen kann. Aber dann sind wir wieder auf unbekanntem Terrain und ich merke wie das Eichhörnchen in mir unbedingt dafür Vorräte horten möchte.
Der zweite Punkt lässt sich vermutlich einfach mit unserer Erschöpfung begründen. Wir laufen viel, aber eben auf begrenztem Terrain. Auf anderen Reisen habe ich es oft so gehandhabt, dass ich mal in irgendeinen Bus gestiegen bin und einfach zur Endstation gefahren bin. So sah ich auch mehr Vorstädte und das normale Leben abseits der touristischen Hotspots oder konnte irgendwo landen, wo es spannend ist. Hier habe ich tatsächlich in den letzten Tagen erst einen einzigen Bus gesehen.
Es kann natürlich sein, dass ich nicht besonders aufmerksam durch die Gegend gelaufen bin. Es kann aber auch durchaus sein, dass es hier nicht so viele Busse gibt. Das würde mich nicht wundern, denn zum einen laufen hier eben einfach viele Touristen herum, die (vielleicht aus Kreuzfahrtschiffen geworfen?) gar nicht mehr sehen wollen, als die Alstadt und zum anderen habe ich durch die Reiseführer, die ich im Vorfeld gelesen habe erfahren, dass eigentlich alleTouristen, die länger auf Sizilien sind, einen Mietwagen haben. Die Suche nach einem Parkplatz ist also ein größeres Problem, als die Suche nach einem Bus. Wir werden also vermutlich morgen mit Gepäck zum Bahnhof laufen müssen. Seufz.