Wir sind in Chur angekommen, im Urlaub und in der Interrail-Routine noch nicht. Aber wir sind losgefahren, wir sind angekommen und wir sind beide da.
Das sah gefühlt gestern noch nicht so aus. Obwohl ich, nachdem ich alle meine Habseligkeiten, die ich auf die Reise mitnehmen wollte, schon vormittags auf dem Bett liegen hatte, um dann erstmal in Ruhe schwimmen zu gehen, war ich nachdem der Rucksack am Abend gepackt war, alles andere als cool. Plötzlich stellte ich fest, dass ich noch gar nicht gecheckt hatte, wie das heutzutage mit Interrail, der App und dem Reisen so geht. „Frau Naja“, wie meine Reisebegleiterin in diesem Internet genannt wird und ich hatten eigentlich vereinbart, nochmal gemeinsam in einer Telefonkonferenz die Reise vorzubereiten und dann hatte ich sie den ganzen Abend nicht erreicht und wurde leicht panisch. Es blieb mir gar nichts anderes übrig, als selbst herauszufinden, wie das mit der App geht und zu hoffen, dass wir uns tatsächlich wie vereinbart am Bahnhof treffen würden.
Mein letzter und einziger Interrailtrip liegt nun schon ein paar Jahre zurück. 1989 reiste ich durch Finland, Schweden und Norwegen. Damals gabs noch keine Apps und keine Mobiltelefone und es ging doch auch irgendwie. Ich erinnere mich, dass ich auf dieser Reise damals ständig Hunger hatte. Besonders in Norwegen waren Lebensmittel wahnsinnig teuer und egal, wo ich war, gab es immer nur Hering. Ich hasse Hering. Außer auf den Lofoten, wo ich zusammen mit anderen Gästen der Jugendherberge einen großen Dorsch angelte an dem wir tagelang aßen, habe ich gefühlt in den 4 Wochen damals nur Käse und Tomaten gegessen. Aber es war schön und man kann so eine Reise durchaus ein paar Jahrzehnte später noch mal machen.
Das Haus verließ ich mit einem Rucksack, einer Umhängetasche vor dem Bauch mit den Spielsachen, einer kleinen Umhängetasche vor dem Bauch mit den Wertsachen und zwei vollbeladenen, sehr schweren Taschen links und rechts, voller Wasser und Essen. Es war mir ein bisschen peinlich. Stilvolles reisen geht anders. Aber wir sind fast 3 Tage am Stück unterwegs, 7 Mahlzeiten und wer eben nicht dauernd Kohlenhydrate essen will, kann sich auch nicht so einfach unterwegs was beim Bäcker holen. Ich hatte gestern noch mein Spezialbrot gebacken und einen Rote-Beete-Salat gemacht und dann eben noch viel Gemüsenacks, Nüsschen, Joghurt, Quartk. Schon ein bisschen spleenig, aber so isses eben. Morgen packe ich die Äpfel, die schweren Kohlrabi und das Wasser in den Rucksack und etwas Leichteres in die Taschen. Bin ja lernfähig.
Am Bahnhof war es sehr sehr voll. Der vorherige Zug war ausgefallen, unserem Zug fehlte ein Waggon. Auch der Zug war voll. Wir reisten bis Baden Baden in getrennten Wasgen, sie in 7 ich in 3. Als wir endlich zusammensaßen und picknickten, ging gefühlt die Reise erst los.
Ruckzuck waren wir in Zürich, denn sobald man redet, vergeht dir Zeit ja doch noch mal so schnell. In den ersten Stunden versuchte ich zu häkeln, zu schlafen und zu lesen, aber nichts von dem wollte mir wirklich gelingen. Wie gut, dass Frau Naja dann endlich da war. In Zürich erwischten wir sogar einen früheren Zug nach Chur und wurden mit einer schönen Fahrt im Regionalzug entlang des langen Sees und von schneebedeckten Berggipfeln belohnt. Das Hostel ist ok, ich bin ein wenig orientierungslos, was ich gerade will. Will ich essen, will ich bloggen, will ich schlafen? Ich blogge einfach mal, weil ich es ein paar Leuten versprochen habe. Aber Bilder habe ich heute noch nicht. Das wird ohnehin überbewertet.
Schön zu hören, dass die Reise begonnen hat. Die Vorbereitung und die Einstellung dazu ist schwer, aber jetzt geht es los!!
Ich wünsche euch eine tolle Zeit und freue mich, auf die Reiseberichte.
Wie lange fahrt ihr jetzt noch mit dem Zug und dann Fähre?